Ihre Arbeit

 

 

Edith Stein beschäftigte sich während ihres Studiums häufig mit der Frage der Emanzipation der Frau. „Als Gymnasiastin und junge Studentin war ich radikale Frauenrechtlerin gewesen. Dann verlor ich das Interesse an der ganzen Frage. Jetzt suche ich Lösungen“1. Sie erkannte, dass ihr wahres Interesse der Philosophie galt. Man riet ihr, nach Göttingen zu Edmund Husserl zu gehen, was sie 1913 umsetzte. Zwei Jahre später absolvierte sie das philosophische-propädeutische Staatsexamen in Geschichte und Germanistik jeweils mit der Bestnote Eins. Sie wurde Husserls Mitarbeiterin und Assistentin. Neben Husserl wurde Dr. Reinach ihre wichtigste Bezugsperson während ihres Studiums in Göttingen. Beide schätzten sie sehr. Sie lernte auch die Frau von Dr. Reinach kennen, beide freundeten sich rasch an. 

Während des ersten Weltkrieges wurde sie von einem Arzt aus dem Lazarett, indem sie freiwillig arbeitete, gefragt, warum sie ihr Studium ruhen ließe. Ihre Antwort darauf war: „Meine Studiengefährten sind alle im Feld und ich sähe nicht ein, warum ich es besser haben sollte, als sie.“2 Erst als der Krieg und somit ihr freiwilliger Dienst zu Ende war, nahm sie ihr Studium wieder auf, und folgte ihrem zukünftigen Doktorvater nach Freiburg, wo sie promovierte. 1918 verließ sie Husserl, um in Breslau als Philosophin zu arbeiten. Sie fühlte sich in diesem Beruf sehr wohl und war durchaus erfolgreich. Vom Ehrgeiz gepackt, versuchte sie 1919 in Göttingen zu habilitieren. Trotz eines Empfehlungsschreibens ihres Doktorvaters wurde sie nicht zugelassen. Insgesamt versuchte sie es vier Mal, scheiterte jedoch immer daran, dass diese akademische Laufbahn für Frauen noch nicht zugänglich war. 

Da sie sich in ihrer philosophischen Tätigkeit Gott nicht nahe genug fühlte, ließ sie sich nach Speyer zu den Dominikanerschülerinnen versetzen. Bis 1931 hielt sie noch zahlreiche Vorträge, da sie als Wissenschaftlerin sehr gefragt war. Durch einen Freund bekam sie eine Stelle in Münster als Dozentin am deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik vermittelt. Auf Druck der Nationalsozialisten musste sie diese Stelle nach nicht einmal einem Jahr aufgeben. „Wenn es hier nicht mehr geht, so gibt es in Deutschland überhaupt keine Möglichkeit mehr für mich.“3, sagte Edith Stein. Damit zog sie einen Schlussstrich unter ihre akademische Laufbahn und sie widmete sich fortan dem Glauben.

 

1.Crocifissione, „Canonizzazione della Beate Teresa Benedetta della Croce Edith Stein“ (offizielles Programm der Heiligsprechungszeremonie), Tipografia Vaticana, Vatikan, 1998, S.8

2. Waltraud Herbstrith: „Edith Stein. Ein neues Lebensbildvin Zeugnissen und Selbstzeugnissen“, Herderbücherei, Freiburg i. Br., 1983, S.30
3.Crocifissione, „Canonizzazione della Beate Teresa Benedetta della Croce Edith Stein“ (offizielles Programm der Heiligsprechungszeremonie), Tipografia Vaticana, Vatikan, 1998, S. 11